Unmittelbar um Calahonda gibt es etwa 27 Golfplätze. Da der Ort im Herzen der „Costa del Golf“ liegt, haben wir Zugang zu einer der höchsten Dichten an Golfanlagen in Europa, wobei allein in der Gemeinde Mijas, zu der Calahonda gehört, rund 24 bis 25 Clubs ansässig sind! Sozusagen ein Eldorado für Golfliebhaber!
Wir entscheiden uns heute für den 18-Loch-Golfplatz Santa Clara Golf mit breiten Fairways, großen Greens und spektakulären Ausblicken auf das Meer. Auf diesem Platz kann und darf man auch mit dem Trolley zu Fuß laufen, also freuen wir uns auf das zusätzliche Fitness-Programm. Unsere Freunde hingegen entscheiden sich für ein Cart und staunten nicht schlecht, dass man ihnen dafür satte 30 Euro pro Nase abknöpfte!
Ich mag die beiden sehr und es macht immer Spaß, gemeinsam zu spielen, aber sie haben eine unter Golfern weit verbreitete, ansteckende Krankheit. Alle Golfer kennen sie, den "Nicht-Golfern" will ich es kurz erklären: Es ist die faszinierende psychologische Anomalie, bei der ein Mensch, der bereitwillig Tausende von Euro für High-Tech-Schläger, atmungsaktive Funktionskleidung und eine Clubmitgliedschaft ausgibt, plötzlich zum Sparfuchs wird, sobald ein kleiner weißer, oder schlimmer noch ein bunter Ball im Gebüsch verschwindet. Obwohl der heimische Keller bereits die Vorräte einer mittelgroßen Driving-Range beherbergt! (also eine "Gotteszahl" an Bällen schon ihr eigen ist) Aber das ist alles egal, da wird mit Eisen 7 im tiefsten Unterholz gestochert, da werden die senkrechtesten Hügel erklommen, in Gewässern gefischt - da zählt nur noch: Finden. Sammeln. Behalten.
Wir spielen also bei traumhaftem Wetter gemütlich über den Golfplatz, bis plötzlich hinter uns ein Cart auffährt. ER thront da wie ein Feldherr, während SIE mit dem Trolley neben ihm geht, sozusagen die Infanterie. Damit herrscht eine klare Hierarchie. ER verkündet im Kommandoton, dass seine Frau jetzt durchspielt, weil sie alleine spielt und glaubt mir, das war keine Bitte an die Etikette, sondern eine einseitige Willenserklärung! Sowas wie "Auf die Seite, der Adel schlägt ab!" Dass Maik und ich bereits am Fairway sind, also als Zielscheibe eines potenziellen Abschlags, wird dabei als Nebensache behandelt. Wir flüchten widerwillig ins Rough, während SIE also durchzieht. (ok, zum Glück war sie eine sehr gute Spielerin) Doch Maik steht da, der Puls auf 180, den Schläger in der Hand und zittert vor unterdrückter Wut. "Der Feldherr" kam dann noch mit dem ultimativen Argument "Ach, nehmen sie das doch nicht so ernst ... ist ja nur ein Spiel." Das ist dann der Moment, in dem Maik kurz davor ist, sein Eisen als Wurfspeer zweck zu entfremden. Während ER die Platzregeln mit seinem Cart überrollt, wird uns noch erklärt, wir sollten entspannter werden! Ganz nebenbei wissen wir ja, dass Golf für manche niemals "nur ein Spiel" ist ;)
Aber wir haben alles mit Bravour überstanden, konnten das Wetter und die wunderbare Umgebung trotzdem genießen (ich zumindest) und setzen uns danach auf die Sonnenterrasse und erfreuten uns an unseren Getränken, bis die Rechnung kam: Willkommen im Reich der „Marbella-Mathematik“, wo die Preise schneller steigen als der Blutdruck nach einem Triple-Bogey! Wenn 30 Euro für drei Bier und einen Cider fällig werden, hat man die Zone der normalen Gastronomie verlassen und den „Elitär-Sektor“ betreten. Und Elitär sein bedeutet: Schweigen und Zahlen.
Dass der Cider wahrscheinlich genauso viel kostet wie das Bier, zeigt die gnadenlose Gleichberechtigung der Luxus-Preise. In Marbella ist es egal, was im Glas ist – sobald es kalt ist und man dabei auf einen Golfplatz schaut, greift der „Sonnenschein-Tarif“.
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Kommentare
Ich kann Maik gut verstehen. Schön, dass ihr den Tag trotzdem genossen habt.
Danke liebe Inge🤗