Montelimar, Frankreich

Veröffentlicht am 21. März 2026 um 23:31

Montelimar ist eine charmante Stadt in Frankreich, die zufällig in der Mitte unserer Wegstrecke von Valencia nach München liegt. Erst beim Recherchieren finden wir heraus, dass sie als weltweite Hauptstadt des Nougats bekannt ist. (oder wie andere sagen: die Welthauptstadt des Hüftgoldes) Spätestens da war mir klar: Das ist der perfekte Boxenstopp! Die Stadt liegt in der Region Auvergne-Rhône-Alpes und gilt als das "Tor zur Provence". Eine mittelalterliche Festung, das Château des Adhémar, thront über der Stadt und das historische Zentrum mit seinen schmalen Gässchen ladet zum Flanieren ein. Und wo immer du hinkommst: Nougat in allen Variationen. Sogar ein Musée du Nougat ist hier beheimatet! Es gibt aktuell 12 aktive Nougatfabriken (Nougatiers), die dieses Traditionshandwerk pflegen. Wir haben eines davon, Le Chaudron d’Or, besichtigt. Dieser Betrieb liegt direkt neben unserem Hotel im Stadtzentrum und ist für seine traditionelle Herstellung im Kupferkessel bekannt. Wir bekommen mit einer kleinen Führung durch die Fabrik Einblick über die einzelnen Schritte der Erzeugung und immer wieder süße Verkostungen. Anschließend decke ich uns noch mit einem Nougatvorrat fürs nächste Jahr ein, während Maik im Hintergrund schon die Tragfähigkeit des Kofferraums berechnet. Gut, der Plan für ein ganzes Jahr zu bunkern, ist zwar absolut solide, zumindest theoretisch. In der Praxis wissen wir alle, sobald wir im Hotelzimmer ankommen, beginnt schon mal das erste "Probeknuspern".

Wissenswertes am Rande: Seit 2024 ist der "Nougat de Montélimar" auch durch die g.g.A.-Kennzeichnung geschützt, also: da ist dann wirklich nur dieser Nougat drin, der draufsteht, der nach strengen Rezeptvorgaben mit mindestens 30 % Mandeln und 25 % Lavendelhonig genau hier erzeugt wird!

    Sehr schnell merke ich das sprachliche Desaster: Da krame ich nach 40 Jahren meinen verbliebenen französischen Wortschatz aus dem hintersten Hirnstübchen hervor, formuliere stolz den perfekten ersten Satz und dann macht mein Gegenüber den großen "Fehler" und antwortet tatsächlich und beginnt ein Gespräch! Bei mir macht es KLICK und ich höre dann nur noch dieses sanfte, melodiöse Singsang, wie ein Chanson von Edith Piaf und vergesse dabei völlig, dass ich mich auf die einzelnen Vokabeln (die mir ohnehin im passenden Moment nicht einfallen) konzentrieren soll. Erschreckenderweise müssen wir wieder einmal feststellen, dass sich auch im Jahr 2026 in Frankreich wenig geändert hat, wenn es darum geht, auf eine andere Sprache "auszuweichen". Kaum irgendjemand kann (oder will) uns auf Englisch weiterhelfen, nicht einmal in den Restaurants, die wir zum Abendessen aussuchen. Aber vielleicht findet der eine oder andere es fast schon wieder bewundernswert konsequent, sich standhaft zu weigern, dem Englischen eine Chance zu geben. Doch am Ende ist es egal: Mit einem Mund voll Nougat spricht es sich ohnehin in jeder Sprache schwer ... 

    Gleich nebenbei, 5 km weiter, gibt es einen Golfplatz, Golf de la Valdaine, den wir bei sonnigen 19 Grad erkunden. Die Schläger frisch poliert, das Zuckerhoch noch im Blut, zeigen wir gleich voller Elan unsere beste Seite und starten energiegeladen. Wir beginnen zu dritt, doch schon auf dem Weg zum zweiten Abschlag wird "unserem André" so schlecht , dass er sich freundlich von uns verabschiedet und wir dann als Duo unterwegs sind. Der Platz ist in eine wundervolle provenzalischen Landschaft gebettet, mit zwei unterschiedlichen 9-Loch-Hälften, offen und zahm zu Beginn und bei der Rückrunde zeigt der Platz sein wahres Gesicht: Es wird technisch, es wird eng, es wird herausfordernd. Der Zustand der Fairways ist gut, aber das drumherum wäre noch ausbaufähig. Die Wege? Sagen wir mal: sie haben Charakter, kaum eine Beschilderung zum nächsten Loch und einige Abschläge bedürfen auch wieder mal intensiver Pflege! Aber wir haben traumhaftes Wetter und eine wunderschöne Kulisse, da kann man auch einmal über ein paar Schlaglöcher und fehlende Schilder hinwegsehen. Hauptsache, der Ball landet irgendwann dort, wo er hin soll! 

    Das positive Abrunden übernimmt dann das Clubhaus, es gehört zum "Domaine de la Valdaine", einem Hotel-Resort mit Restaurant und Pool. Und die Terrasse ist perfekt, um nach der Runde bei einem Glas Weißwein die nächsten Spieler an der 18 zu beobachten. Doch kaum setzen wir uns an den Tisch höre ich von hinten ein fragendes: "Sprechen sie deutsch?" mitten im französischen Gemurmel. Eine vor über 40 Jahren ausgewanderte deutsche Dame mit ihrem französischen Mann ist sichtlich erfreut, endlich wieder mal in ihrer Muttersprache kommunizieren zu können und versorgt uns noch mit vielen Tipps zu dieser Gegend, falls wir wieder einmal auf einer Durchfahrt hier stranden. Qui sait, peut-être serons-nous de retour l'année prochaine! (wer weiß, vielleicht kommen wir ja nächstes Jahr wieder)

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