Gibraltar gilt als eines der bekanntesten umstrittenen Gebiete weltweit. Der Konflikt zwischen dem Vereinigten Königreich und Spanien dauert schon über 300 Jahren, doch bald sollen zumindest die physischen Grenzkontrollen (La Línea) entfallen, Gibraltar wird faktisch Teil des Schengen-Raums. Trotz der Zusammenarbeit bleibt der politische Streit jedoch bestehen, Spanien erhebt weiterhin Gebietsansprüche, während die Bewohner Gibraltars ihre britische Zugehörigkeit betonen.
Eine "neverending story", die seit 1713 einfach nicht enden will. Spanien ruft immer wieder: "Hey, Briten! Party vorbei, geht nach Hause! Das ist unser Gebiet!" Großbritannien hat es sich aber so gemütlich gemacht und wenn die Bewohner befragt werden, wollen 99 % nicht zu Spanien gehören! Die essen lieber jeden Tag Fish & Chips und sind britischer als die Briten selbst, nur eben mit deutlich besserem Wetter und Affen als Nachbarn. 🐒🐒🐒
Apropos Affen! Eine Prophezeiung besagt: "Keine Affen, kein Empire!", also solange Affen auf dem Felsen leben, bleibt Gibraltar unter britischer Flagge. Sollten die Tiere jemals verschwinden, müssen die Briten ihre Koffer packen. Kurz gesagt: Solange die Affen am Felsen Chaos stiften, weht unten der Union Jack weiter ...
Da staunten wir nicht schlecht, als wir mit der Seilbahn zum Affenfelsen rauffahren wollten und - die war nicht mehr da! Wegen Neubau geschlossen! Wir überlegen kurz, entscheiden uns dann spontan zu einem "Das machen wir beim nächsten Mal!" Wir warten auf das 2026er Modell.
Die erste Kuriosität erlebst du aber gleich nach der Grenzkontrolle: Es gibt nur einen Weg nach Gibraltar und der führt direkt über die Start-und Landebahn des Flughafens. Ja, wenn gerade kein Flugzeug kommt, spazieren Fußgänger, Radfahren, Touris und Omas mit Einkaufstüten seelenruhig über den Asphalt auf dem Sekunden davor noch ein Flieger startete. Es ist der einzige Ort weltweit, an dem man ein Selfie auf der aktiven Startbahn machen kann, ohne gleich verhaftet zu werden.
Wir spazieren also zu Fuß durch ganz Gibraltar, bis an die Spitze mit dem Leuchtturm. Vorbei am Ocean Village Marina, dem Hafen, Queensway, dem Neuen Hafen, Rosia Bay und Camp Bay, wo wir - fast am Verdursten- zur ersten Rast ansetzen. Kurz alles noch einmal Revue passieren lassen: Ganz Gibraltar - eine einzige Baustelle!!! Du fühlst dich wie in einer Folge "Bob der Baumeister" - überall Absperrungen, Kräne, Männer in Warnwesten. Ein gemütlicher Stadtbummel schaut anders aus. Das sanfte Rauschen der Wellen wird durch rhythmische Klänge der Presslufthämmer ersetzt.
Nichts desto trotz genießen wir im Strandlokal den Blick auf das Meer und wollen erst einmal klassisch Fish & Chips bestellen. Doch - ES GAB KEINE!! Das ist der ultimative kulinarische Hochverrat! Da kämpfen wir uns durch alle Dauerbaustellen und dann serviert das britische Lokal im Überseegebiet kein Fish & Chips! Fish wurde also kurzerhand durch Baby-Kalamari ersetzt und dann ging es ans Zahlen! Maik zieht wie ein echter Gentleman die vorausschauend gebunkerten Pfundscheine aus der Tasche (die wir von zuhause mitgebracht haben!). Das Knistern von echtem Geld – und der Kellner schaut drauf, als hätte Maik ihm ein Monopoly-Scheinchen aus dem Jahr 1920 angeboten. Sogar der Manager wurde geholt! Man erklärte uns, dass es seit 2022 neue Geldscheine gibt. Es lebe der König! Wir hatten also quasi "Vintage-Währung" dabei, die offiziell nicht mehr als Zahlungsmittel gültig ist. Aber die zusätzliche Ironie: In Gibraltar gibt es das "Gibraltar-Pfund", schaut fast aus wie das britische, gilt aber NUR auf dem Felsen. Maik hatte also das richtige Pfund dabei, aber aus der falschen Epoche und für den falschen Ort! Hahaha! Da bleibt nur eines: Auf nach London in die Zentralbank, um die Scheine in "Plastik-Pfund" umzutauschen.
Dann wandern wir weiter zum Leuchtturm und müssen uns darauf konzentrieren, nicht vom Sturm über die Reling geblasen zu werden. Gerne setzen wir uns in den nächsten Bus, der uns zurück bis zur Mainstreet bringt, die wir dann gemütlich durchwandern. Diesmal wirklich gemütlich, da es sich Großteils um Fußgängerzone handelt. Die Main Street ist der Ort, an dem Großbritannien beschlossen hat, so zu tun, als gäbe es kein Spanien rundherum – eine bizarre, aber charmante Mischung aus Londoner Oxford Street und mediterranem Basar. Mitten unter Palmen findest du die klassischen roten Telefonzellen, rote Briefkästen und die typisch königlichen Mülleimer - very british!
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